Geschichte

Geschichte der Munzingerschule

Von der Knabensekundarschule zur Volksschule

Mit seiner ersten Verfassung von 1831 übernahm der Staat Bern das Bildungswesen. Im Staatsseminar Münchenbuchsee bildete er ab 1833 die Lehrer aus, und in den Gemeinden entstand die allgemeine Volksschule. In der Stadt Bern entstanden bis Ende der Siebzigerjahre des 19. Jahrhunderts als erweitertes Bildungsangebot „private“ Bildungsanstalten, so die „Burgerliche- und Einwohner – Mädchensekundarschule“, die Realschule und die Gewerbeschule. Letztere wurde 1837 mit 63 Schülern in 2 Klassen an der Postgasse eröffnet und hatte zum Zweck, die Buben auf das künftige Berufsleben vorzubereiten. Aus dieser Gewerbeschule gingen später die „Knabensekundarschulen obere und untere Stadt“ hervor, deren eine an der Amthausgasse (im späteren Kaiserhaus), die andere an der Brunngasse / Grabenpromenade untergebracht wurden. Gesteigerte Bildungsbedürfnisse liessen die Zahl der Schüler und Klassen rasch anwachsen. Zählte man zwischen 1890 und 1899 pro Jahrgang zwischen 450 und 500 Schüler, waren es 1907 bereits deren 973. Akute Raumnot zwang zur Ausquartierung von Klassen. 1906 waren die Knabensekundarschulen an sieben verschiedenen Standorten untergebracht. Die 1907 bezogene Knabensekundarschule Viktoria im Spitalacker schuf keine Abhilfe. So musste der Gemeinderat das Projekt für ein zweites Knabensekundarschulhaus im Südwesten der Stadt, auf dem sogenannten Hopfgut, in Angriff nehmen. Das Schulhaus Munzinger

Eigentlich war geplant, das neue Schulhaus 1918 zu beziehen. Die Verhältnisse waren inzwischen unübersichtlich geworden. Von den insgesamt 41 Knabensekundarklassen mit 56 Lehrern und einem Vorsteher wurden 24 Klassen im Viktoriaschulhaus, 7 im Brunngass-Schulhaus, 4 im Primarschulhaus Breitenrain und je 2 im Primarschulhaus Spitalacker, in den Lehrwerkstätten und im sogenannten „Waldheim“ unterrichtet. Mit Ungeduld warteten Schulbehörden, Lehrer und Schüler darauf, ins neue Schulhaus umzuziehen. Doch es kam anders: Im Anschluss an den ersten Weltkrieg wurde das im Rohbau fertig erstellte Schulhaus kurzerhand in eine Mietskaserne für Obdachlose umgewandelt. In seinen Räumen brachte man 27 Notstandswohnungen unter, trotz heftiger Proteste seitens der Mittelschulkommission. Am 18. Mai 1922 war es dann soweit; der Unterricht im neuen Schulhaus konnte beginnen, obwohl zu diesem Zeitpunkt die Spezialräume und ein Teil der Einrichtungen noch nicht fertig erstellt waren. Am 23. September 1922 wurde das Schulhaus der Knabensekundarschule Bern, Kreis II mit einer grossen Feier offiziell eingeweiht. Das schmucke und moderne Schulhaus verfügte nebst 13 Klassenzimmern auch über Spezialräume für Physik, Naturgeschichte und Chemie, über ein Geographiezimmer, zwei Zeichensäle, eine Schreinerei und zwei Handarbeitsräume für Kartonageunterricht. Ein grosser Speiseraum, wo sich 100 bis 120 Schüler verpflegen konnten, eine Milchküche sowie ein Duschenraum dienten der Hygiene und dem leiblichen Wohl. Doch schon bald wieder herrschte Platznot, Spezialräume mussten zweckentfremdet und viele Klassen in benachbarten Schulhäusern untergebracht werden. Im Mai 1923 zählte man 698 Schüler in 25 Klassen. 1970 wurden in den Knabensekundarschulen und den beiden Mädchensekundarschulen Monbijou und Laubegg gleichzeitig die Koedukation eingeführt. So wurden erstmals vier gemischte 5. Klassen in die neue Sekundarschule Munzinger aufgenommen. Im Hinblick auf diesen Wechsel wählte die Schulkommission bereits 1968 zwei Lehrerinnen ins bisher reine Männerkollegium: Frau Heidi Rheiner und Frau Susi Wirz. Seit den 70er Jahren vollzog sich der Klassenabbau wegen Geburtenrückgangs und Wegzugs von Familien in die Aussengemeinden kontinuierlich. Als 1994 die Sekundarschule Munzinger in die neue Volksschule, Schulkreis Munzinger – Sulgenbach, integriert wurde, zählte man noch 11 Sekundarklassen mit insgesamt 220 Schülerinnen und Schülern.

Markus Bürki, ehemaliger Schulleiter