Schulhaus und Geschichte

1718_munzi_01-gesamtansicht

SCHULHAUS MUNZINGER BERN

Stockwerkplan und Zimmerbelegung

Das Munzingerschulhaus in Bern
Von Dr. Ernst Trösch

Die Stadt Bern ist mit ihren Mittelschulbauten seit Jahrzehnten stark im Rückstand geblieben. Noch vor Jahresfrist waren Sekundarklassen in allen möglichen Schul- und Privathäusern untergebracht, und aus der städtischen Sekundarlehrerschaft war eine Art Nomadenvolk geworden, das keine Sesshaftigkeit mehr zu kennen schien. Da und dort, in entlegenen Stadtwinkeln, hausten zwei, drei als Klassenlehrer oder gar einer allein in irgend einer von allen guten Geistern verlassenen einstigen Krippe oder was es sein mochte, und führten dort eine Art Einsiedlerdasein, das von niemand, auch dem Inspektor nicht, gestört wurde.

Schliesslich hat die Stadt, trotz der Kriegszeit, doch ans Bauen gehen müssen, und sie ist damit heute noch, trotz der Aufhebung von Klassen an Primarschulen, nicht fertig geworden, hat doch eben erst die Konkurrenz für den Viermillionenbau des Gymnasiums stattgefunden.

Die beiden Sekundarschulhäuser in der Schosshalde und an der Munzingerstrasse bei der Friedenskirche waren gegen Ende des Krieges im Rohbau fertig, als die Stadt sich plötzlich genötigt sah, die halbfertigen Bauten in Mietkasernen für Obdachlose umzuwandeln. Erst im Sommer 1921 konnten sie wieder geräumt werden, und ein Jahr später waren sie bezugsbereit.

Das Munzingerschulhaus befindet sich am Fuss des Veielihubels, auf dem die Friedenskirche steht, in sonniger und windgeschützter Lage. Das Schulhausareal wurde aber leider durch einen unnützen Strassenzug entzweigeschnitten. Auf dem kleineren, dreieckförmigen Platz befinden sich die Turnhalle und der Turnplatz. Die Turnhalle misst 26 X 13 X 6 m, hat Korklinoleumbelag, Weichboden für Sprung- und Wurfübungen, transportable Korbball- und Reckeinrichtungen, schräge Stangen, Klettertaue und Sprossenwand. Die Vorräume enthalten nebst Garderoben und Lehrerzimmer einen Duschenraum. Ein Geräteraum fehlt noch, wird aber vielleicht noch erhältlich sein. Die Halle ist mit Verdunkelungsstoren und Projektionskabine (Gleichstrom) versehen. Für Schülerkonzerte und Aufführungen ist eine transportable Schulbühne nach Art der Wickersdorfer Schulbühne vorhanden, auf der mit einfachsten Mitteln auch grössere Darbietungen wie Tell gegeben werden können.

Der Turnplatz enthält neben den üblichen Reck- und Klettereinrichtungen eine Sprung- und eine Laufanlage, zwei Kugelstossanlagen und Einrichtungen für die verschiedensten Ball- und Wettspiele. Es sind auch zwei Fusswaschtröge mit fliessendem Wasser vorhanden. Dies erwies sich als zweckmässig, weil unsere Schüler meist in Badehosen turnen.

Der Grundriss des Hauptgebäudes zeigt einen Eckbau mit einem Nord  und einem Westflügel. Die Haupträume sind nach Osten und nach Süden orientiert, die Zeichensäle und der Singsaal nach Norden. Das Gebäude umschliesst einen Spielplatz mit Brunnen und Fahrradgarage. Der Spielplatz ist mit Teerbelag versehen, hat zwei Korbballeinrichtungen und lässt sich im Winter in einen Eisplatz verwandeln, auf dem sich die Schüler in den Pausen, in Zwischenstunden und an schulfreien Tagen mit ganz besonderem Vergnügen herumtummeln. Turnstunden können hier in Eissportstunden umgewandelt werden, sicherlich nicht zum Nachteil der Jugend.

Der nördliche Teil des Areals birgt den Schulgarten, mit Gartenhaus, Gemüsekeller, 8 Couchen und einer Wasseranlage. Der eine Teil ist als Blumen- und Gemüsegarten, der andere als biologischer Schulgarten angelegt, in dem sich die Schüler mit den wichtigeren Nutzpflanzen, sowie mit den biologisch oder pharmakologisch interessanteren Pflanzenarten befassen. Leider fehlt hier noch ein Paludarium und ein Gewächshaus, die beide geeignet wären, den naturgeschichtlichen Unterricht noch mehr zu beleben und ihn der toten Sphäre des Bücherwissens zu entreissen. Wenn wir in dieser Hinsicht noch weiter gehen könnten, so möchten wir noch ein paar lebende Tiere, wären es auch nur Kaninchen, Tauben oder Hühner, in unserem Schulhof ansiedeln, um sie durch die Schüler pflegen, füttern und vor allem beobachten zu lassen.

Das Schulgebäude ist von der Munzingerstrasse her durch eine grosse offene Vorhalle zugänglich. Im Tiefparterre sind neben den Heiz- und Kohlenräumen die Duschenräume, die Schreinerei mit ihrem Materialraum, der Speiseraum, die Milchküche, eine Dunkelkammer, die Abwartloge und Abwartwohnung untergebracht. Der Duschenraum ist mit zwei abgeschlossenen Garderoben versehen, die es ermöglichen, den Betrieb kontinuierlich durchzuführen, so dass alle 24 Klassen in einem Nachmittag gebadet werden können. Der Duschenplan ist derart mit dem Stundenplan kombiniert, dass der Unterricht fast gar nicht gestört wird. Die Schreinerei ist in einem der schönsten und grössten Räume des Hauses untergebracht, enthält 18 Einzelhobelbänke, eine Doppelziehtafel wie die Klassenzimmer, Gas und Elektrizität am Leimtisch, Schüttstein, Glas- und andere Schränke, sowie 36 Schülerwerkzeugkasten. Jeder der beiden Lehrer hat mithin sein eigenes Material. Der Speiseraum bietet Platz für 100 bis 120 Schüler. Die Speisung besteht aus einer Zwischenverpflegung (Milch und Brot) am Vormittag. Es werden gegenwärtig 240 Schüler gespeist, davon etwa ein Drittel Zahlende. Die Dunkelkammer ist als Zusatzraum zum physikalischen Laboratorium für Klassenunterricht im Photographieren eingerichtet.

Im Hochparterre liegen 7 Klassenzimmer, je ein Lehrzimmer und ein Sammlungsraum für Geographie, Naturgeschichte und Zeichnen. Die Klassenzimmer sind bis zur Höhe von 2 m mit Rupfen bespannt, in satten, wohltuenden Farben gehalten, haben eine Doppelzug- und Drehtafel mit 8 m2 und seitwärts eine Längstafel mit 4 m2 Fläche. Jede Klasse hat zwei an der Decke befestigte Karten (untere Klassen Bern und Schweiz, obere Klassen Schweiz und Europa). Für die Ausstellung von Photographien, Bildern, Postkarten, Gegenständen usw. sind in einigen Klassen Vitrinen, in andern Bildergestelle vorhanden. Der Handfertigkeitsunterricht sorgt ausserdem für passende Wechselrahmen, damit der künstlerische Eindruck des Raumes durch solche Ausstellungen nicht gestört wird. Ein Doppelschrank für die Klassen- und Reihenbibliothek, sowie das Material, ein Tisch, ein Lehrerpult mit Blumenvase und Wasserflasche, ein Wasserbehälter mit Waschbecken, in untern Klassen ein Sandkasten, vervollständigen die Einrichtung des Klassenzimmers. Der Wandschmuck besteht aus zwei grösseren Künstlersteinzeichnungen und drei bis vier kleineren Seemannbildern, wobei hauptsächlich Kinder- und Tierbilder, nebst Darstellungen aus Sage und Geschichte, ausgewählt wurden.

Ein besonderes Geographiezimmer ist für eine grössere Schule eine Notwendigkeit. Der Geographieunterricht muss über ebensoviel Anschauungsmaterial verfügen wie der Unterricht in Naturgeschichte; sein Material ist sogar noch mannigfaltiger: Apparate zur Beobachtung des Luftdrucks, des Wetters, des Sonnenstandes, der Planeten; Karten und Bilder; Projektionseinrichtung und. Diapositivsammlung; technologische und ethnographische Sammlung, Fachbibliothek: all das kann erst in einem Geographiezimmer richtig nutzbar gemacht werden. Eine grosse, helle Korridorecke enthält einen grossen Schauschrank in dem je nach den behandelten Ländern periodische Ausstellungen veranstaltet werden. Daneben sind hier zwei Sektionen des prächtigen Simonschen Reliefs aufgestellt, das ein glücklicher Zufall in unser Schulhaus geführt hat.

Das Lehrzimmer für Naturgeschichte ist wie die Lehrzimmer für Physik und Chemie ein Raum von 98 m2 Bodenfläche, mit ansteigenden Bänken, einem Experimentiertisch mit Gas und Wasser, einer festen Tafel von 4 m Länge, zwei aufziehbaren Bildergestellen, vier Bilderkasten unter der Tafel, Projektionseinrichtung, Schränke zum Aufhängen der gerollten Bilder usw.

Das Sammlungszimmer enthält die Fachbibliothek, Aquarium und Terrarium, Einrichtungen für biologische Versuche, Sammlungen von Modellen, Präparaten, Schmetterlingen, Vogelnestern, Tieren und Vögeln. Es dient als Arbeitszimmer für die beiden Fachlehrer.

Der eine Zeichensaal ist mit Hockern versehen, die zwanglos um den Modellständer gruppiert werden können. Der andere ist mit den üblichen Zeichentischen ausgerüstet. Beide haben künstliches und natürliches Seitenlicht. Die Fenster sind mit Storen versehen, die von unten nach oben gezogen werden. Die Wandtafeln haben in jedem Saal 16 m2 Tafelfläche. Eine Anzahl Wechselrahmen gestatten die regelmässige Ausstellung von bessern Schülerarbeiten.
Die Modellzimmer sind durch Treppe miteinander verbunden. Sie enthalten Reissbrett- und Modellschränke mit gestopften Tieren und Vögeln, sowie Gegenstände von mannigfachsten Formen und Farben.

Im ersten Stock sind, neben 6 Klassenräumen drei Spezialräume für Physik, ein Schularztzimmer, ein Lehrerzimmer, ein Wartezimmer und das Bureau des Vorstehers untergebracht.

Der Physiksaal ist mit einem Experimentiertisch von Max Kohl (mit Gas, Wasser und Elektrizität in beliebiger Spannung und Stromstärke bis zur Maximalleistung der Umformergruppe), mit einer Saug- und Druckpumpe am Wasser, einem Heliostat, einem Spiegelgalvanometer, einer Umformergruppe von 5 RP., einem Schaltbrett mit verschiedenen Widerständen, Volt- und Ampèremetern, einem Projektionsapparat und Verdunkelung versehen.
Die Schülerübungen in Physik werden im Uebungsraum neben dem Physiksaal durchgeführt. Hier hat jeder Schüler Gas und elektrischen Anschluss an seinem Arbeitsplatz. Auch an Arbeitsmaterial für einfache Versuche fehlt es nicht. Auch hydrostatische Wagen sind in genügender Zahl vorhanden.
Das Vorbereitungszimmer nebenan dient den Physiklehrern als Arbeits- und Aufenthaltsraum. Hier steht ein fahrbarer Tisch, auf dem die Apparate für den Unterricht bereitgestellt werden. Der Raum kann für photographische Arbeiten als Dunkelkammer hergerichtet werden.

Für das Fach der Chemie sind dieselben Räumlichkeiten wie für Physik vorgesehen. Sie befinden sich unmittelbar über den letztern und sind durch eine interne Treppe mit diesen verbunden. Auch die Ausstattung ist eine analoge, obgleich sie den besondern Zwecken und Verhältnissen angepasst ist.

Lehrerzimmer und Bureau des Vorstehers machen mit ihren satten Farben, ihrem Bilder-, Büsten- und Blumenschmuck einen freundlichen, behaglichen Eindruck. Sie sollen es auch. Der Lehrer soll sich hier für seine nicht immer leichte Aufgabe Fassung, Ruhe, Klarheit, Begeisterung holen können. In dem «öden Jubelgemach», das man vielerorts Lehrerzimmer nennt, kann er das nicht. Eine sorgfältig ausgewählte Bibliothek pädagogischer, literarischer und geschichtlicher Handbücher liefert dem Lehrer das Rüstzeug, dessen er für die Erfüllung seiner Aufgabe bedarf.
Der Lehrerschaft steht ausser dem Lehrerzimmer auch noch das Schularztzimmer zu ruhiger Vertiefung und ungestörter Arbeit zur Verfügung. Es ist zu diesem Zwecke nebenher als Lese- und Studierzimmer eingerichtet.
Die administrative Arbeit des Vorstehers wird durch einen Stundenplanapparat, System Michel, eine Schreibmaschine mit langem Wagen, auf der die Stundenpläne kopiert werden und durch einen Edison-Dick-Vervielfältigungsapparat erleichtert. Die Halle vor diesen Räumen ziert eine Galerie berühmter Männer in Bauerschen Holzschnitten.

Der Singsaal ist zwar in der Anlage verfehlt (für Klassenunterricht zu gross, für Chorgesang oder die Besammlung der Schüler zu klein), aber ist immerhin der schönste Raum des Hauses. Die Vorderwand ziert ein grosses Wandgemälde von Surbeck. Auf dem Podium stehen ein Flügel und ein Harmonium, eine transportable Zieh- und Drehtafel, ein Solviateur und ein Vortragspult. Der Saal ist mit Projektionseinrichtung (Gleichstrom) und einem Kinoapparat versehen. Es finden hier im Winter regelmässig Vorträge und musikalisch-literarisehe Veranstaltungen für Schüler und Eltern statt, die nicht wenig dazu beizutragen haben, dass Schule und Elternhaus den gerade in Städten schwierigen, freundlichen Kontakt miteinander bekommen. Gleichzeitig wird auf diese Weise ein richtiger, dem Fachunterricht organisch eingegliederter Filmunterricht ermöglicht, da die Eltern gern die Kosten der Filmbeschaffung, des Ankaufs guter farbiger Diapositive usw. bestreiten, wenn sie in direktester Weise (durch Vorträge) dafür interessiert werden. Der Schulabwart amtiert hierbei als kundiger Operateur.

Im Dachstock endlich sind zwei weitere Handarbeitslokale (für Papparbeiten) untergebracht.

Ein Sammlungszimmer im zweiten Stock enthält die Karten, Bilder und Modelle für den Geschichts-, Religions- und Deutschunterricht, die Bibliothek für die Klassenlektüre und die Instrumente des- Schülerorchesters.

Im offenen Dachraum ist das ganze herrliche Simonsche Relief des Berner Oberlandes aufgestellt und dem Klassenunterricht zugänglich gemacht. Ein Relief, das unsere Berge so treu wiedergibt, dass man darauf jedes Fluhband zu finden glaubt, und dass man unwillkürlich nach Adlerhorsten späht oder die Gemsen in den Felsen zu sehen meint.

Damit hätten wir unsern Rundgang vollendet.
Darf man unser Schulhaus, auf das wir jedenfalls stolz sind, nicht mit Recht ein interessantes, modernes Schulhaus nennen? Schon ein Gang durch seine Hallen und Räume weitet ein Lehrerherz. Dass auch das der Buben höher schlägt, haben wir schon oft beobachtet.

Noch ein Wort über den künstlerischen Schmuck, der wesentlich zu dem günstigen Gesamteindruck beiträgt, den das Haus auf jeden Besucher macht. Ed. Boss hat ein Freskogemälde über dem Schularztzimmer, Leo Steck drei farbige Fenster in den Hallen geschaffen, von Surbeck stammt das Bild im Singsaal, von Brack und Traugott Senn sind die grossen Hallen geschmückt worden. Karl Hänny hat einige köstliche Skulpturen für die Fassade entworfen. Dieser schlichte, echte Künstlerschmuck ist vielleicht das Wertvollste an dem ganzen Bau. Und wo wäre er besser am Platz als in einem Schulhaus, wo es gilt, die Jugend zum Schönen, zum Wahren und Echten, zum Ehrlichsein, zur Freude zu erziehen?

Text und Bilder als pdf

Geschichte der Munzingerschule

Von der Knabensekundarschule zur Volksschule

Mit seiner ersten Verfassung von 1831 übernahm der Staat Bern das Bildungswesen. Im Staatsseminar Münchenbuchsee bildete er ab 1833 die Lehrer aus, und in den Gemeinden entstand die allgemeine Volksschule. In der Stadt Bern entstanden bis Ende der Siebzigerjahre des 19. Jahrhunderts als erweitertes Bildungsangebot „private“ Bildungsanstalten, so die „Burgerliche- und Einwohner – Mädchensekundarschule“, die Realschule und die Gewerbeschule. Letztere wurde 1837 mit 63 Schülern in 2 Klassen an der Postgasse eröffnet und hatte zum Zweck, die Buben auf das künftige Berufsleben vorzubereiten. Aus dieser Gewerbeschule gingen später die „Knabensekundarschulen obere und untere Stadt“ hervor, deren eine an der Amthausgasse (im späteren Kaiserhaus), die andere an der Brunngasse / Grabenpromenade untergebracht wurden. Gesteigerte Bildungsbedürfnisse liessen die Zahl der Schüler und Klassen rasch anwachsen. Zählte man zwischen 1890 und 1899 pro Jahrgang zwischen 450 und 500 Schüler, waren es 1907 bereits deren 973. Akute Raumnot zwang zur Ausquartierung von Klassen. 1906 waren die Knabensekundarschulen an sieben verschiedenen Standorten untergebracht. Die 1907 bezogene Knabensekundarschule Viktoria im Spitalacker schuf keine Abhilfe. So musste der Gemeinderat das Projekt für ein zweites Knabensekundarschulhaus im Südwesten der Stadt, auf dem sogenannten Hopfgut, in Angriff nehmen.
Das Schulhaus Munzinger

Eigentlich war geplant, das neue Schulhaus 1918 zu beziehen. Die Verhältnisse waren inzwischen unübersichtlich geworden. Von den insgesamt 41 Knabensekundarklassen mit 56 Lehrern und einem Vorsteher wurden 24 Klassen im Viktoriaschulhaus, 7 im Brunngass-Schulhaus, 4 im Primarschulhaus Breitenrain und je 2 im Primarschulhaus Spitalacker, in den Lehrwerkstätten und im sogenannten „Waldheim“ unterrichtet. Mit Ungeduld warteten Schulbehörden, Lehrer und Schüler darauf, ins neue Schulhaus umzuziehen. Doch es kam anders: Im Anschluss an den ersten Weltkrieg wurde das im Rohbau fertig erstellte Schulhaus kurzerhand in eine Mietskaserne für Obdachlose umgewandelt. In seinen Räumen brachte man 27 Notstandswohnungen unter, trotz heftiger Proteste seitens der Mittelschulkommission. Am 18. Mai 1922 war es dann soweit; der Unterricht im neuen Schulhaus konnte beginnen, obwohl zu diesem Zeitpunkt die Spezialräume und ein Teil der Einrichtungen noch nicht fertig erstellt waren. Am 23. September 1922 wurde das Schulhaus der Knabensekundarschule Bern, Kreis II mit einer grossen Feier offiziell eingeweiht. Das schmucke und moderne Schulhaus verfügte nebst 13 Klassenzimmern auch über Spezialräume für Physik, Naturgeschichte und Chemie, über ein Geographiezimmer, zwei Zeichensäle, eine Schreinerei und zwei Handarbeitsräume für Kartonageunterricht. Ein grosser Speiseraum, wo sich 100 bis 120 Schüler verpflegen konnten, eine Milchküche sowie ein Duschenraum dienten der Hygiene und dem leiblichen Wohl. Doch schon bald wieder herrschte Platznot, Spezialräume mussten zweckentfremdet und viele Klassen in benachbarten Schulhäusern untergebracht werden. Im Mai 1923 zählte man 698 Schüler in 25 Klassen. 1970 wurden in den Knabensekundarschulen und den beiden Mädchensekundarschulen Monbijou und Laubegg gleichzeitig die Koedukation eingeführt. So wurden erstmals vier gemischte 5. Klassen in die neue Sekundarschule Munzinger aufgenommen. Im Hinblick auf diesen Wechsel wählte die Schulkommission bereits 1968 zwei Lehrerinnen ins bisher reine Männerkollegium: Frau Heidi Rheiner und Frau Susi Wirz. Seit den 70er Jahren vollzog sich der Klassenabbau wegen Geburtenrückgangs und Wegzugs von Familien in die Aussengemeinden kontinuierlich. Als 1994 die Sekundarschule Munzinger in die neue Volksschule, Schulkreis Munzinger – Sulgenbach, integriert wurde, zählte man noch 11 Sekundarklassen mit insgesamt 220 Schülerinnen und Schülern.

Markus Bürki, ehemaliger Schulleiter